Grande Sendrée 2015: Drappiers Prestige-Cuvée im Kreis der besten Champagner der Welt

Ganz oben in der Hierarchie der Champagne steht die Prestige-Cuvée – jener Wein, in dem ein Haus alles bündelt, was es kann. Das britische Fachmagazin The Drinks Business hat nach der Verkostung der Champagne Masters 2026 eine Auswahl der herausragendsten Prestige-Cuvées veröffentlicht. Neben grossen Namen wie Bollinger, Veuve Clicquot, Perrier-Jouët und Rare Champagne findet sich dort auch die Grande Sendrée 2015 von Champagne Drappier.

Ein Champagner, der im Holz-Ei vergärt

Was die Grande Sendrée in diesem Feld besonders macht, ist ihre Machart. Verkostungsleiter Patrick Schmitt MW hebt hervor, dass es sich um eine der weltweit ganz wenigen Cuvées handelt, bei denen ein Teil der Weine in einem Ei aus Holz vergoren wird. Das passt zu Drappiers Ruf: Das Haus in Urville probiert seit Jahren Dinge aus, die anderswo in der Champagne niemand macht – von der Reifung unter Wasser über vergessene Rebsorten bis eben zu unkonventionellen Gärgefässen.

Die Eckdaten der 2015er:

  • Rebsorten: 55 % Pinot Noir, 45 % Chardonnay
  • Dosage: 4 g/l – also deutlich trockener als der Brut-Standard
  • Herkunft: alte Reben aus der namensgebenden Einzellage Grande Sendrée in Urville
  • Richtpreis im UK: rund 125 Pfund

Wie der Wein im Glas wirkt

Die Verkostungsnotiz beschreibt einen Champagner mit deutlich eigenständigem Charakter. In der Nase zeigen sich leicht oxidative Töne, die Schmitt mit frisch poliertem Antikmobiliar vergleicht – ein Bild, das man sofort versteht, wenn man den Wein im Glas hat: warm, holzig, ein wenig wachsig.

Am Gaumen legt sich Schicht über Schicht: gebackener Apfel, kandierte Zitrusfrucht, dann Honig und Nüsse, getragen von einer trockenen, holzbetonten Kante. Der Eindruck ist lang und vielschichtig. Der Verkoster empfiehlt den Wein ausdrücklich zum Essen – ein Champagner also, der sich nicht als Aperitif verausgabt, sondern seine Tiefe erst am Tisch entfaltet.

Warum ein Jahrgangschampagner aus der Aube in dieser Liga mitspielt

Die versammelten Weine der Auswahl kosten im britischen Handel allesamt mehr als 70 Pfund, die Jahrgänge reichen von 2008 bis 2019. Auffällig ist, dass hier nicht nur die grossen Marketing-Häuser vertreten sind, sondern auch Erzeuger mit ausgeprägter Handschrift. Genau in diese Kategorie fällt Drappier: ein Familienbetrieb aus der Côte des Bar im Süden der Champagne, weit weg von Reims und Épernay, mit einem klaren Bekenntnis zum Pinot Noir.

Die Grande Sendrée ist dabei kein Wein, der jedem sofort gefallen will. Sie ist trocken, sie hat eine oxidative Note, sie braucht Luft und Zeit. Wer Champagner vor allem als leichten, fruchtigen Aperitif sucht, ist hier falsch. Wer dagegen einen Wein möchte, der sich über einen ganzen Abend hinweg verändert, findet in dieser Cuvée eine der spannendsten Flaschen der Region.

Serviertipp aus der Praxis

Angesichts der beschriebenen Struktur bietet sich die Grande Sendrée 2015 an zu:

  • gereiftem Hartkäse, etwa Comté oder alter Gouda
  • Geflügel oder Kalb mit Rahmsauce
  • gebratenem Fisch mit Nussbutter
  • Pilzgerichten, die die erdig-holzigen Töne aufgreifen

Trinktemperatur eher bei 10 bis 12 Grad als eiskalt – und ruhig ein Weissweinglas statt einer schmalen Flöte verwenden. Der Wein hat genügend Substanz, dass er den Platz braucht.

Fazit

Dass die Grande Sendrée 2015 in einer Auswahl der weltbesten Prestige-Cuvées steht, ist keine Überraschung, aber eine schöne Bestätigung. Drappier belegt damit erneut, dass eigenwillige Kellerarbeit und internationale Anerkennung sich nicht ausschliessen. Für Liebhaber gastronomischer Champagner mit Reifepotenzial gehört diese Flasche in den Keller.

Quelle: The Drinks Business – „The very best Champagnes money can buy“, Patrick Schmitt, 11. August 2026

Zugehörige Produkte